Die Geschichte der Currywurst
Der Fleischer Max Brückner aus Johanngeorgenstadt/ Sachsen experimentierte Ende der 1940-iger Jahre an einer Wurst ohne Darm. Naturdarm war damals knapp und teuer. Normalerweise wird das Brät (Fleisch-Fettmasse) in den Darm gespritzt und wird dann fest. So erhält die Wurst ihre Form. Mit dieser neuen Erfindung Brückners hielt die Wurst auch ohne Darm ihre Form.
Anfang der 1950-er Jahre kam Brückner nach Westberlin und gründete dort seinen Fleischereibetrieb unter dem Namen „Maximilian“. Hier perfektionierte er die Herstellung mit seinem Partner Frank Friedrich und startete den Verkauf dieser Wurst. Erster Kunde war die Familie Jankowitz aus Berlin-Spandau. Die "Spandauer ohne Pelle" kam gut an. Und natürlich hatte Brückner den Prozess der Herstellung einer Wurst ohne Darm nicht patentieren lassen. Man half sich damals gegenseitig aus mit Ideen, die es leichter machten, die Nachkriegesbevölkerung schnell und nahrhaft zu versorgen. Auch eine enge Familienfreundin von Frank Friedrich, Hertha Heuwer, zählte zu den ersten Kunden von Maximilian und verkaufte an ihrem Imbisstand diese Wurst zunächst als normale Bratwurst.
Die Erfindung der Currywurst, also die Kombination von Wurst UND Sauce wird, mittlerweile historisch belegt, Herta Heuwer zugeschrieben, die erstmals im September 1949 an ihrem Imbissstand an der Ecke Kant-/Kaiser-Friedrich-Straße in Berlin-Charlottenburg unsere feine „Spandauer ohne Pelle“ mit ihren ersten Saucenkreationen anbot, die zu Beginn noch kein Erfolg war.
Auf die Idee kam sie über ihren Mann, der damals für die Amerikaner arbeitete. Diese pflegten auf ihre riesigen T-Bone Steaks riesige Mengen Ketchup zu gießen, was offensichtlich gut schmeckte. Das war die Initialzündung für Hertha Heuwer. T-Bone Steak war für die Berliner der Nachkriegszeit schlichtweg zu teuer und somit machte sie aus der Not eine Tugend und mixte den Vorläufer der legendären Sauce und gab sie über unsere "Spandauer ohne Pelle" – fertig war die neue Kreation, die Currywurst. Im Januar 1959 ließ sie den Namen ihrer Sauce, Chillup, als Marke schützen (Münchener Patentamt Nummer 721319). Das „Steak des kleinen Mannes“ war geboren.
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Hertha Heuwers Imbiss zog in ein Ladenlokal mit Garküche in der Kaiser-Friedrich-Straße 59 (in der Nähe des Busbahnhofs im Rotlichtviertel des Stuttgarter Platzes (Stutti)) um und entwickelte sich dort zu einer festen Institution: Es war Tag und Nacht geöffnet und Heuwer beschäftigte in ihren besten Zeiten bis zu 19 Verkäuferinnen.
Mit oder ohne Darm – daran scheiden sich viele Geister. Herta Heuwer bevorzugte selbst die „Spandauer ohne Pelle“, weil sie billiger war und einfach besser passte. Aber natürlich gab es bei ihr auch die „Berliner Dampfwurst“ (im Darm) als Currywurst zu kaufen. Somit ist auch diese Frage eine Geschmacksfrage des Genießers dieser Spezialität.
Die Firma Kraft bemühte sich um das Rezept und das Markenrecht, was Heuwer allerdings ablehnte. Seit 2003 befindet sich am ehemaligen Standort (heute: Kantstraße 101) eine Gedenktafel ihr zu Ehren, bei deren Einweihung zahlreiche ehemalige Stammgäste erschienen und Herta Heuwers Nichte und Ziehtochter – zusammen mit der Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Monika Thiemen und der Schauspielerin Brigitte Grothum (Drei Damen vom Grill) – Currywürste zubereiteten und servierten.
Mit dem Ende des Imbissbetriebes von Hertha Heuwer schien auch die berühmte Sauce in Vergessenheit zu geraten, da diese nur von Herta Heuwer selbst angeboten wurde und viele Imbissbetriebe ihre eigene Sauce oder Fertigprodukte benutzen.
Auf Anregung der Nichte Hertha Heuwers mixte Frank Friedrich die Sauce nach und beide erinnerten sich wieder an den unvergleichlichen Geschmack dieser Sauce. Friedrich war die Komposition der Sauce noch im Blut – schließlich mixte er sie gemeinsam mit Herta Heuwer so lange, bis sie wirklich schmeckte, denn die ersten Eigenversuche von Herta Heuwer waren, wie gesagt, kein geschmackliches Highlight. Beide waren mit dem Ergebnis zufrieden. Schließlich war Herta Heuwer mit ihrer ersten Soßenkomposition zu Frank Friedrich gekommen, der sie nach gemeinsamen Verbesserungen für ihren Imbiss mixte. Diese Sauce wird heute wieder in dieser nachempfundenen Rezeptur von Maximilian produziert und über Maximilian unter dem Namen „Chil-MAX“ vertrieben.
Die Original Currywurst ist ganz klar ein echtes Berliner Kind und ist untrennbar mit dem Aufschwung der Westsektoren und Westberlins verbunden. Aber natürlich entwickelt eine so bedeutende Erfindung ihr Eigenleben und ihre Varianten. So haben die Berliner Metzger, gewitzt eie sie sind, diese Erfindung für sich genutzt und eigene Rezepte entwickelt – für Wurst und Sauce. So sind neben der „Urcurrywurst und ihrer Originalsauce“ viele Varianten aus den 50-ern entstanden, die ihre eingeschworenen Anhänger haben. Auch bieten seit Jahrzehnten viele große Hersteller fertige Currysaucen an. Über die Zeit wurde diese Kombination einfach „kultig“ und gehört zu Berlin wie das Brandenburger Tor und der Reichstag und natürlich die Berliner Mauer…
